
Grays Ideenaustausch mit der holländischen Avantgarde half ihr, Prioritäten zu setzen, und verlieh ihr den Mut, ihrem Instinkt zu folgen und neue Wege einzuschlagen. Ihre ersten Kontakte gehen auf das Jahr 1922 zurück, als sie in Amsterdam an einer Ausstellung von alten und neuen französischen Designern teilnahm. Ihre Arbeit erregte das Interesse Jan Wils', der mit ihr einen Briefwechsel begann und sie um Erlaubnis bat, ihre Exponate anders zu plazieren, da sie seiner Meinung nach nicht richtig zur Geltung kamen, eine Erlaubnis, die sie ihm gerne erteilte. Wils war ein Mitglied der De-Stijl-Gruppe, und als Hommage an die Ideale dieser Gruppe hatte Gray einen bemerkenswerten Tisch entworfen. Dieser Tisch war zweifarbig - elfenbeinweiß und schwarz - und aus asymmetrisch verteilten vertikalen und horizontalen Flächen von unterschiedlicher Größe zusammengesetzt. Hervorspringende Platten evozieren die freitragenden Terrassen ihrer späteren Bauten. Das Objekt ist zwar nicht groß, steckt aber voller Versprechungen, denn die Konstruktion aus den diversen Holzplanken enthält bereits viele Prinzipien, die Gray als Architektin erforschen sollte. Der Tisch ist offensichtlich von der rigorosen Geometrie der De-Stijl-Gruppe beeinflusst und erinnert an die Möbel Gerrit Rietvelds, dessen "Rot-Blau"-Stuhl 1918 durch das subtile Zusammenspiel einfachster geometrischer Strukturelemente eine vergleichbare architektonische und skulpturale Wirkung erreicht hatte. Wie bei dem um dieselbe Zeit konzipierten "Block"-Wandschirm war der Effekt größer als die Summe der Teile versprach. Gray besaß die intuitive Fähigkeit, einem ganz geradlinig und praktisch erscheinenden Entwurf eine zusätzliche nicht greifbare Dimension zu verleihen.
Obwohl ihr "Raum für Monte Carlo" in Frankreich wenig Anklang gefunden hatte, nahm Gray noch im selben Jahr an dem Salon d'Automne teil. Sie stellte einen ihrer schwarzen "Block"-Wandschirme aus und ließ sich von den Ideen ihrer Kollegen Le Corbusier und Robert Mallet-Stevens in ihrer neuen Ästhetik bestärken. Diese vermitteln ihr wie die Holländer die Überzeugung, dass nach dem Glaubenskanon der aufkommenden modernistischen Bewegung die Architektur als Basis aller angewandten Künste angesehen werden müsse. Grays Briefwechsel mit Wils zog weitere Kontakte nach sich. Im Juli 1923 veröffentlichte die holländische Zeitschrift Bouwkundig Weekblad einen Artikel über ihr Werk, dessen Verfasser, der holländische Designer van Ravesteyn, aufgrund ihrer Exponate im Salon des Aristes Décorateurs eine geistige Verwandtschaft zu ihr spürte. Im selben Jahr organisierte eine Gruppe holländischer Architekten eine Ausstellung in Paris, an der van Doesburg, van Eesteren, Oud, Rietveld und Wils teilnahmen. Gray besuchte sie und war beeindruckt von van Doesburgs Programm "Hin zur Plastischen Architektur".
Die Würdigung ihres Werks in einer im Juni 1924 erschienenen Sondernummer des Fachblattes Wendingen markierte den Höhepunkt dieser Annäherung an die Holländer. Die Artikel stammten von Wils und Jean Badovici, einem in Paris lebenden rumänischen Architekturkritiker. Gray hatte Badovici schon einige Jahre zuvor kennengelernt; eine Freundschaft entwickelte sich jedoch erst zu diesem Zeitpunkt. Sie unternahmen verschiedenen Reisen, auf denen sie die Bauten berühmter modernistischer Architekten wie Rietveld, Bruno Taut und Mies van der Rohe studierten. In seinem Wendingen-Artikel schieb Badovici: "Eileen Gray steht im Brennpunkt der Moderne ... Sie weiß, dass unsere Zeit mit ihren neuen Lebensgewohnheiten auch ein neues Lebensgefühlt mit sich bringt. Der ungeheure Einfluss der Technik musste unsere Sensibilität verändern. Ihr ganzes Werk spiegelt die lyrische Kraft, die Begeisterung, die starken Emotionen dieser neuen Gesellschaft und der Menschen, die sie heranbildet ... Und diese systematische Einheitlichkeit verleiht ihren Entwürfen eine einzigartige architektonische Bedeutung. Möbel, Wandteppiche, die allgemeine Atmosphäre, sie scheinen Bestandteile der Seele ihrer Bewohner. Die äußere Form ist im Gleichklang mit dem inneren Rhythmus."
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